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Verabschiedung Roland Kuster

21. Dezember 2025 – Am 11. Dezember fand die letzte Einwohnerratssitzung für Roland Kuster statt.

An der vergangenen Einwohnerratssitzung vom 11. Dezember wurde Roland Kuster verabschiedet. Nachfolgend die Laudatio, vorgetragen von Markus Zoller:

Geschätzte Anwesende
Heute ist die letzte Einwohnerratssitzung einer Person, die sich in den vergangenen acht Jahren mit grossem Einsatz und viel Herzblut für Wettingen eingesetzt hat.

Lieber Roli
Ja, wo soll ich denn am besten anfangen. Es waren natürlich nicht nur die letzten acht Jahre, in denen du dich engagiert hast.
Ich verzichte darauf, oder anders gesagt, ich kann an dieser Stelle gar nicht alles aufzählen, was Roli während seinem politischen Engagement für Wettingen alles geleistet hat. Das bräuchte noch eine zusätzliche Einwohnerratssitzung. Aber trotzdem ein paar Stichworte:
Ein wichtiges Amt, und damit auch ein Türöffner für die weitere politische Karriere, war das Präsidium der CVP Wettingen von 1991 bis 1997. Ja, ich sage jetzt bewusst CVP. Und gäll Ursi, ich muss jetzt nicht jedes Mal einen Fünfliber in die Vereinskasse einzahlen, wenn ich in dieser Laudatio «CVP» sage.
Bevor Roli in den Einwohnerrat gewählt wurde, war er von 1993 bis 1997 Mitglied der CVP-Kantonalleitung. 1996 erfolgte der Sprung in den Einwohnerrat. Bis 2001 hat er dieses Amt ausgeführt. 1998 bis 2001 war er zudem Präsident der FIKO. Ab 2002 gab es einen berufsbedingt politischen Unterbruch von knapp 6 Jahren. In dieser Zeit war Roli als selbstständiger Unternehmsberater tätig. Dabei blieb für die Politik zu wenig Zeit. Aber in diesen Jahren hat er Anlauf genommen für die Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied von 2008 bis 2016. In dieser Zeit ist Roli klar geworden, dass er sich das Amt als Ammann vorstellen konnte. 2017 hat er die Nachfolge von Markus Dieth als Gemeindeammann antreten. Von 2019 bis 2024 war Roli Mitglied des Grossen Rates. Der Rest der politischen Geschichte ist allen bekannt.
Es hat kein Geschäft, keinen Antrag und schon gar keine Entscheidung gegeben, welche innerhalb dieser Rathausmauern gefällt wurden, von der Roli nicht Bescheid gewusst hätte. Sein grosses Wissen war für die Gemeinde ein grosser Gewinn. Sein direkter Draht in alle Ressorts gab ihm stets die Übersicht zu sämtlichen laufenden Geschäften. Und davon konnten alle profitieren. Wir haben in den Fraktionssitzungen immer wieder gestaunt, was er alles wusste. Das ging soweit, dass er Bescheid wusste über die Schlauchlänge beim Tanklöschfahrzeug.
In seine Zeit als Ammann fallen die Quellensanierung mit dem neuen Reservoir Birch, das neue Grundwasserpumpwerk Tägerhardwald, die Umstrukturierung des EW in eine Aktiengesellschaft, die Masterplanung Schulraum, und ganz aktuell, die Revision der ANUP. Nicht zu vergessen sind die vielen Engagements beim Planungsverband Baden Regio, beim regionalen Führungsstab Wettingen-Limmattal oder jetzt auch bei einer möglichen Ansiedlung eines internationalen Grosskonzerns im Tägerhardächer. Und seit kurzem kennt man ja auch den Namen der Firma. Ich sage nur «konnichiwa Hitachi-san». Wir sind bis auf die Zehennägel gespannt, ob der Entscheid zu Gunsten von Wettingen ausfallen wird.
Ein wichtiges Projekt war für Roli immer das Tägi. Die Mehrkosten, die während der Sanierung angefallen sind, gaben in der Bevölkerung zu reden und Roli musste sich der Kritik stellen. Alle Kritiker konnten nicht überzeugt werden. Aber überzeugen kann das Endresultat. Das Tägi wird von Gross und Klein genutzt und es hat eine grosse Strahlkraft über die Gemeindegrenzen hinaus. Und auch viele Personen, die weder Schwimmen noch Schlittschufahren, haben den Wert vom Tägi erkannt. Genau das, was Roli immer propagiert hat.
In seine Tätigkeit als Gemeindeammann fiel auch die schwierige Corona-Zeit. Eine Zeit, die nachträglich betrachtet vieles in der Politik verändert hat, und zwar nicht unbedingt zum Guten. In der Pandemie war es wichtig, als Gemeindeoberhaupt einen kühlen Kopf zu bewahren und pragmatisch die Vorgaben des Bundes umzusetzen. Er musste aber auch miterleben, wie Politiker in gewissen Bevölkerungskreisen zu Feindbildern wurden, und sich der ganze Frust am Gemeindeammann entlud. Das braucht eine dicke Haut und die musste sich Roli zwangsläufig zulegen, auch wenn es darunter häufig anders ausgesehen hat.
Wenn irgendwo in der Gemeinde ein Feuer ausbrach, ist Roli nicht selten zusammen mit dem Kommandofahrzeug als einer der ersten auf dem Brandplatz eingetroffen. Roli hat bewiesen, dass man als Ammann auch in Krisensituationen hinstehen und sich den schwierigen Umständen stellen muss. Schönwetterpolitik kann jeder, aber wenn es mal stark regnet sich zu exponieren, das können nur wenige. Und nur allzu häufig musste sich Roli wie ein Laternenpfahl vorgekommen sein: Oben muss man strahlen und unten wird man… ihr könnt euch vorstellen was.
Roli hat auch aktiv dazu beigetragen, dass die Stromkosten im Rathaus verringert werden konnten. Zwar nur in einem kleinen Ausmass, aber immerhin. Denn wenn andere ein Mikrofon brauchten, konnte Roli dank seinem kräftigen Stimmorgan die Anwesenden im Saal ohne Verstärkung unterhalten. Ich weiss bis heute nicht, warum er nie heiser war. Aber vielleicht hat seine Frau Katja mit einem geheimen Hausmittel dafür gesorgt, dass seine Stimme immer in bester Verfassung war. Überhaupt ist sein immenser Zeitaufwand für Wettingen nur möglich gewesen, dank seiner Frau, die ihm in allen Zeiten den Rücken freigehalten hat. Roli hat immer grosse Unterstützung von Katja und seinen drei Kindern erhalten.
Roli ist in der Regel mit einem modischen rosarot/violetten Velo von der Rebbergstrasse zum Rathaus gefahren. Und zwar auch bei Wind und Wetter. Sein Auto hat er nur selten benutzt. Mehrere Versuche, ihn für ein neues Velo zu begeistern, sind gescheitert. «Nein, nein, de Göppel ist genau das Richtige für mich» hat er dann immer wieder gesagt. Vielleicht hatte er auch Angst, zu Hause einen Zusatzkredit für ein neues Velo zu beantragen, weil das Budget ohnehin mit der Traktorbastelei überzogen wurde. Damit er trotzdem einen Hauch von neuem Velo verspürt, haben wir dann am Schluss noch ein visuell auffälliges Geschenk. Ich habe es bereits angedeutet: Roli ist ein grosser Traktorfan. Sein auffälliger, rot glänzender Hürlimann-Traktor aus den 60er Jahren ist dabei sein ganzer Stolz. Mit viel Liebe hat er ihn restauriert. Trotz der knallroten Farbe hat sich Roli zum Glück nie überlegt, die Partei zu wechseln. Aber vielleicht ist er bereit, das Bijoux für eine Parteiaktion der Partei mit Rot im Logo zur Verfügung zu stellen.
Lieber Markus Haas, ich nehme an, du hast mindestens Schuhgrösse 50, denn du musst in ziemlich grosse Fussstapfen treten. Aber keine Angst, du hast zur Zeit ja noch 6 Gspändli, die dir dabei helfen werden. Und das neue Geschäftsleitungsmodell definiert die Rolle des Gemeindeammanns, Gemeindepräsidenten, Gemeindeoberhaupt, Bürgermeister, Schultheiss oder wie das Amt in Zukunft auch immer wird heissen, ohnehin etwas anders als bisher. Ich wünsch dir, Markus, viel Durchhaltewillen und ein gutes Gespür für das Amt als Gemeindeammann.

Dir, lieber Roli, wünsche ich in deinem politischen Unruhestand alles Gute. Ich bin mir sicher, dass dir nicht langweilig werden wird. Und falls doch, gibt es sicher noch irgendwo einen Traktor, der darauf wartet, dass er restauriert wird.
Die Verabschiedung im Rahmen der Partei hat zum Glück noch ein wenig Zeit. Die erfolgt dann an der GV im Februar. Aber an dieser Stelle ein riesengrosser Dank für alles was du für Wettingen geleistet hast. Der Dank gilt im Namen der Mitte und ich nehme an, da darf ich die anderen Parteien miteinschliessen.
Ich habe es vorher kurz angedeutet: Dein Velo. Wir möchten dir dein geliebtes rosarotes Trendsetterbike auf keinen Fall wegnehmen. Aber falls du trotzdem mal mit dem Gedanken spielst, ein etwas neueres Modell zu kaufen, überreichen wir dir heute Abend einen auffälligen Göppel, der dich daran erinnert, dass es nicht nur Traktoren gibt.

Lieber Roli, ganz herzlichen Dank für Alles!

Wie in der Laudatio erwähnt, erfolgt die Verabschiedung im Rahmen der Partei an der Generalversammlung vom 27. Februar 2026.